Presse

Kölner Stadt-Anzeiger  Juli 2012

Eine kleine Brise weht immer auf der Terrasse des Sürther Bootshauses. Die Wellen plätschern leise, manchmal schlagen sie etwas höher, wenn ein Motorboot vorbeirast. Wer den Blick umherschweifen lässt, sieht grüne Natur und ein paar schaukelnde Boote, die am Steg festgemacht sind. Enten paddeln vor der Terrasse umher. Kein Autolärm. Nur das Tuckern der Kähne, die vorbeiziehen. Weiterlesen…

Anja Held weiß, dass sich die Gäste wie im Urlaub fühlen, wenn sie zu ihr ins Bootshaus kommen. Mindestens 70 Prozent seien Stammkunden aus der näheren Umgebung, sagt die 42-Jährige, die das Bootshaus seit mehr als drei Jahren zusammen mit Elfet Smayli (36) gepachtet hat. Aber sie habe auch „Hardcore-Fans“, die aus Leverkusen angeradelt kämen, und ganz treue Gäste, die im Bootshaus schon ihren 80. Geburtstag gefeiert hatten und nun den 95. planen.

Ein wenig versteckt liegt das Restaurant mit Sonnenterrasse am Sürther Leinpfad am Rheinufer. Es ist das südlichste Bootshaus von Köln. Aber schwer zu finden sei es trotzdem nicht, meint die Pächterin. Denn der Rad- und Fußweg führt ja direkt daran vorbei. „Wenn das Wetter gut ist und dann besonders an besondern Tagen wie Pfingsten oder Muttertag ist es manchmal so voll, dass die Leute ihr Bierchen oder sonstiges Getränk auf dem Steg im Stehen trinken, während sie auf einen Sitzplatz warten“, erzählt Anja Held. Dafür gebe es auch wieder ganz ruhige Tage und Abende. Wetterabhängig sei das Geschäft schon, sagt sie. „Aber die Terrasse wird auch bei mittelmäßigen Temperaturen genutzt und sogar im Winter. Dann bieten wir Glühwein und heiße Waffeln an und eine Decke zum Warmhalten.“

Und es existiert ja auch noch der Innenraum mit 80 Plätzen. Urig-rustikal ist die Einrichtung. Aus den 60er Jahren stammt das Hausboot – das Ambiente erinnert daran. Vergilbte Fotos von Trude Herr hängen an der Wand, alte Postkarten von Sürth und der Gegend. Auf einem Bild ist zu sehen, dass das Bootshaus früher eine Benzinstation für Schiffe mit einem kleinen Restaurationsbetrieb war. Mit „Schicki-Micki“ habe sie nichts am Hut, sagt die Pächterin. Als sie das Lokal zusammen mit Elfet Smayli übernommen hat, haben die Gäste von ihr verlangt, dass es so bleiben soll, wie es ist. Die kölsche Nostalgie ist also gewollt. In der kalten Jahreszeit finden kölsche Mundartkonzerte statt, zum Beispiel mit Philipp Oebel, „Nie Muuzich“, „Aap Futü“. „Mit Karneval hat das aber nichts zu tun“, sagt Anja Held. Ursprünglich kommt sie aus Flensburg, mit dem Wasser ist sie also aufgewachsen. Und der Rhein gehört zu ihrem Leben, obwohl sie selbst am Brüsseler Platz wohnt. Nach ihrem Studium und Aufenthalten in Südamerika kam sie nach Köln. Bevor sie sich zur Pacht entschlossen hat, arbeitete sie schon zehn Jahre beim Vorgänger Michael Kahls, der aus gesundheitlichen Gründen nach Spanien ausgewandert ist. Ihre Mitpächterin Elfet Smayli brachte Erfahrung als Küchenchefin mit, sie selbst aus dem Servicebereich. Insofern ergänzen sich die beiden Frauen. Im Sommer besteht die Bootshaus-Crew aus zehn Mitarbeitern, die im Schichtdienst und manchmal ganz flexibel arbeiten. Im Winter kommen sie zu fünft aus.

/div